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Inflation

Energie und Lebensmittel: Auswirkungen auf die Verbraucherpreise 2022

Die Inflationsrate in Deutschland lag 2022 so hoch wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung. Gemessen wird die Inflation anhand der jährlichen Steigerungsrate der Verbraucherpreise, die von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder monatlich erfasst werden. Insgesamt stiegen die Verbraucherpreise im Jahr 2022 im Jahresdurchschnitt um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Basisjahr 2020). Zum Vergleich: In den Jahren seit der Einführung des Euros im Jahr 1999 für den elektronischen Zahlungsverkehr lag die Inflationsrate in Deutschland durchschnittlich bei +1,5 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB), die für den Geldwert in der Eurozone verantwortlich ist, strebt mittelfristig eine Inflationsrate von +2 Prozent pro Jahr für die gesamte Eurozone an.

 

 

Überdurchschnittliche Preisanstiege bei Nahrungsmitteln und Energie 2022

Der Verbraucherpreisindex setzt sich aus mehreren Hundertausend Einzelpreisen zusammen. Neben den Preisen für Nahrungsmittel und Getränke fließen auch die Preise für Bekleidung, Schuhe, Wohnen, Verkehr, Freizeit, Kultur, Bildung sowie weitere Preise in den Verbraucherpreisindex ein. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges standen im Jahr 2022 besonders die Preissteigerungsraten für Nahrungsmittel und Energie im Fokus der Öffentlichkeit, da die Preise dieser Gütergruppen überdurchschnittlich stark gestiegen sind. So mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland 2022 durchschnittlich 29,7 Prozent mehr für die gleiche Menge Energie (wie Gas, Heizöl, Kraftstoffe oder Strom) zahlen als noch im Jahr 2021. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich im Jahr 2022 überdurchschnittlich mit +13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ohne die Preise für Energie und Nahrungsmittel gerechnet erhöhten sich die Verbraucherpreise im Jahr 2022 um 3,8 Prozent. Bereits im Jahr 2021 waren die Preise für Energie und Nahrungsmittel überdurchschnittlich gestiegen, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als 2022.

 

 

Wie stark haben sich die Preisanstiege von Energie und Nahrungsmittel auf die Inflation ausgewirkt?

Wie stark sich Preisänderungen einzelner Güter und Gütergruppen auf den Verbraucherpreisindex insgesamt auswirken, hängt damit zusammen, wie hoch ihr Gewicht am Warenkorb ist. Diese Gewichte werden im sogenannten Wägungsschema festgelegt, das sich an den Verbrauchsausgaben der privaten Haushalte orientiert. Preisveränderungen von Gütern mit einem hohen Gewicht wirken sich stärker auf den Verbraucherpreisindex insgesamt aus als Güter mit einem niedrigeren Anteil.

Die Preise für Energie haben einen Anteil von 7,4 Prozent und die Preise für Nahrungsmittel einen Anteil von rund 10,5 Prozent am Warenkorb (Wägungsschema 2020). Zum Vergleich: Die Nettokaltmieten haben ein Gewicht von 17,2 Prozent am Warenkorb. Vereinfacht gesagt lässt sich zusammenfassen, dass sich Preisveränderungen der Nettokaltmieten mehr als doppelt so stark auf den Verbraucherpreisindex auswirken wie prozentual gleiche Preissteigerungen von Energie.

 

 

Wie stark sich die Preissteigerungen von Energie und Nahrungsmittel auf die Inflationsrate insgesamt ausgewirkt haben, verdeutlicht die Darstellung über die sogenannten Beiträge zur Inflationsrate in der oben stehenden Grafik. Darin wird deutlich, dass mehr als die Hälfte (3,8 Prozentpunkte) der Inflationsrate von +6,9 Prozent im Jahr 2022 auf Preissteigerungen für Nahrungsmittel und Energie zurückgeht. Anders ausgedrückt: Wären die Preise für Energie und Nahrungsmittel 2022 nicht gestiegen, hätte die Inflationsrate im Jahr 2022 rein rechnerisch bei +3,1 Prozent gelegen.

Oktober und November 2022 mit höchsten Inflationsraten

Nicht nur zwischen den einzelnen Gütergruppen, sondern auch innerhalb des Jahresverlaufs 2022 zeigt sich eine unterschiedliche Preisdynamik. So lagen die Verbraucherpreise in den ersten beiden Monaten des Jahres noch um 4,2 und 4,3 Prozent über dem Niveau des jeweiligen Vorjahresmonats. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine Ende Februar 2022 machte die Inflationsrate in Deutschland im März 2022 einen Sprung auf +5,9 Prozent (+1,7 Prozentpunkte). Dieser Sprung ist im Wesentlichen auf die gestiegenen Energiepreise zurückzuführen, wie die folgende Grafik verdeutlicht.

 

 

Als Reaktion auf die überdurchschnittlich hohen Preissteigerungen 2022 brachte die Bundesregierung im Jahresverlauf unterschiedliche Entlastungspakete auf den Weg, die ebenfalls direkt und indirekt Auswirkungen auf die Verbraucherpreise hatten. So ging die Inflationsrate im Juni und Juli leicht auf +6,7 Prozent zurück, nachdem die Inflationsrate im Mai bei +7,0 Prozent gelegen hatte. In diesem Zeitraum wirkten sich insbesondere der "Tankrabatt" auf Kraftstoffe, der Wegfall der EEG-Umlage für Strom zum 1. Juli 2022 und die zwischenzeitliche Einführung des „9-Euro-Tickets“ auf die Inflationsrate aus. Mit dem Wegfall des "Tankrabatts" und des „9-Euro-Tickets“ im September stieg die Inflationsrate auf +8,6 Prozent. Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Oktober 2022 bis zum 31. März 2024 auf Gas und Fernwärme hatte ebenfalls einen preisdämpfenden Effekt, sofern diese Senkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Der Höchststand der Inflationsrate im Jahr 2022 wurde im Oktober und November mit +8,8 Prozent gemessen. Allein 5,0 Prozentpunkte der Inflationsrate von +8,8 Prozent im Oktober 2022 gingen auf Preissteigerungen für Energie und Nahrungsmittel zurück.

Auch die sogenannte "Soforthilfe" der Bundesregierung mit einer Übernahme der Abschlagszahlungen für den Bezug von Gas und Fernwärme im Dezember 2022 hatte dämpfenden Einfluss auf die Inflationsrate. So verringerte sich die Inflationsrate für Dezember 2022 auf +8,1 Prozent, was im Wesentlichen auf den Rückgang der Inflationsbeiträge im Bereich Energie zurückzuführen ist. 

Eine Übersicht über die Entlastungsmaßnahmen und die Auswirkungen auf den Verbraucherpreisindex finden Sie im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes.